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Weiss Merkel, was sie tut?



Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich, was die bevorstehende Präsidentenwahl in Frankreich anlangt, deutlich zugunsten des Amtsinhabers Nicolas Sarkozy engagiert. Dem in den Umfragen fűhrenden Kandidaten der sozialistischen Partei, François Hollande, verweigerte sie den űblichen Empfang.

Schlimmer noch: es kursieren Gerűchte, dass Merkel eine Reihe befreundeter europäischer Regierungschefs bewogen habe, Hollande ebenfalls zu schneiden. Das Gerűcht wurde zwar prompt vom britischen Premier David Cameron und anderen dementiert, doch die Wirkung war verheerend.

Was dachte sich Merkel dabei? In wenigen Monaten wird sie wahrscheinlich mit Hollande zusammenarbeiten műssen. Hollande ist zwar ein gewiefter Politiker, aber er erscheint nicht emotional so gusseisern gefestigt wie beispielsweise der Italiener Mario Monti. Hollande hat in den Jahren seiner Karriere manche Deműtigung einstecken műssen.

Wie konnten Merkels Berater zulassen, dass die Kanzlerin durch ihre Brűskierung Hollande geholfen hat, sich in den Augen der Wähler zu profilieren? Alle Kommentatoren sind sich einig, dass Merkel mit ihrer Haltung Sarkozy nicht geholfen, sondern wahrscheinlich geschadet hat. Hollande selbst konterte, dass Frankreich eine grosse Nation sei, die sich nicht vorschreiben lassen, wen sie wählen soll.

Merkels Schuss ins Ofenrohr hat aber noch weitere Konsequenzen, die sie offenbar nicht geahnt hat. Sie űberschätzte ihre gegenwärtige Beliebtheit bei den Deutschen. Indem sie einseitig Sarkozys Partei ergriff, verband sie unnötigerweise ihr Schicksal mit seinem.

Es mag ziemlich gleichgűltig sein, mit welcher der drei bűrgerlichen Parteien in Deutschland Merkel eine Koalition betreibt. Die Unterschiede liegen, international gesehen, eine Stelle hinter dem Komma.

Es ist aber von grosser Bedeutung, ob Frankreich und Deutschland am gleichen Strick ziehen. Sollte Sarkozy wieder gewählt werden, so ist alles in Ordnung und Merkel kann Kanzlerin bleiben, so lange es den Deutschen gefällt. Wird aber Hollande gewählt und reagiert er mit gallischem Stolz auf die unklugen Äusserungen der Dame in Berlin, so hat nicht nur Deutschland ein Problem, sondern die ganze Europäische Union.

Und das ausgerechnet in dieser Krisenperiode fűr Euroland und die EU.

Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Paris und Berlin alle persönlichen Animositäten, wie schon so oft, űberwinden wird. Es könnte sein, dass Deutschland fűr den Dialog mit einem schwierigen Nachbarn einen neuen Verhandlungspartner braucht. Einen Partner, der nicht Merkel heisst.

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—— Benedikt Brenner